Seetag in Dänemark und Karibik mit rotem Mond

Das Pooldeck war heute das zweite Zuhause der Flugadler. Bei Sonnenschein, warmen Temperaturen und einer doch ordentlichen Brise mit der Kombination aus Windstärke 4 und Fahrtwind bei 18 Knoten am Skagerak hat es was von Dänemarkurlaub. Frisur ist nicht, die Strähnen wehen wild ins Gesicht. Gut, dass ich gestern in Bergen noch die nur mageren und nun aufgebrauchten Sonnenmilchvorräte aufgestockt habe, bei dem Windchill merkst du die herunterbratzende Sonne ja nicht. Ich kann mir die über 30 Grad zu Hause ab morgen allerdings immer noch nicht vorstellen. Oder ist es Unwille :-)?

Die Kinder waren – wo sonst – im Pool zu finden, Flo und ich haben entspannt. Ich vom Sportvormittag mit Yoga, TRX-Zirkeltraining und Cycling und wir beide von dem Abend gestern mit Shows, Kinderbespaßung und Alpenglühn-Abend auf dem Pooldeck (Achtung, schlimmstes Cluburlaubklischee, aber so lustig). Heute war auch schon Streetfoodfestival auf Deck (Sushi. Schokofruchtspieße. Lachstartar. Kann ich bitte einen Koch mitnehmen?) und eine sehr humorvolle Fragestunde mit dem Kapitän. Ein wenig sportliche Betätigung haben Mio und ich mit Fit4Drums neben dem Schwimmen noch absolviert, das Pooldeck-Zumba hab ich mir dann allerdings geschenkt. Mio hat dafür den Tag am …äh… im Pool komplett ausgenutzt. Alle Ermahnungen zum Trotz sind die ganzen großen Jungs dann allerdings völlig aufgedreht und so läuft Mio jetzt nicht nicht nur mit einem blauen Schienbein, sondern vor allem einer fetten Rippenprellung rum. Er kann von Glück sagen, dass nichts gebrochen ist. Sie haben so wild am Poolrand getobt, dass einer ihn ins Becken reingeschubst hat und zwei ihn gleichzeitig festgehalten haben, so dass er mit voller Wucht auf die 10 Zentimeter hohe Kante geknallt ist. Natürlich als ich kurz mit Leve was zu essen für das fast verhungernde kleine Kind geholt hab 😱. Den Nachmittag hat er dann im Bett verbracht, am Abend hat er dann wieder getanzt. Gutes Zeichen. Das heißt zumindest, das seine Woche Reiterhof doch stattfinden kann, zwischendurch hatten wir da unsere Zweifel.

Ansonsten galt es natürlich zu packen – zwei Koffer, einer mit Winter- und Regensachen, hatte ich bereits schon am Morgen fertig. Den anderen mit der Dreckwäsche ignorier ich noch bis morgen Mittag. Zweieinhalb Wochen ohne Waschen holen einen dann doch irgendwann leider wieder ein 🙂

Abends nach dem wie immer leckeren Farewell-Menü hatten die Kids ihre Verabschiedung mit Kinderdisco, danach wollte Leve ins Bett. Konnte aber nicht einschlafen. Mio hat dagegen die Poolparty unter Blutmond mit mittlerweile karibischen Temperaturen und mit ordentlich Partymucke bis zum Ende durchgestanden und war erst um halb eins im Bett. Wir etwas später für die letzten Packarien. Und jetzt geht es wieder von Bord. Leider. Wir würden sofort weiterfahren – sieben Tage Norwegen klingt doch verlockend. Nur das Schiff ist leider Oberkante Unterlippe ausgebucht – inklusive knapp 600 Kindern. Ach ja, und da war ja auch noch was mit Urlaubstagen und Arbeiten 😉

Erkenntnisse des Tages

  • Je südlicher wir kommen, um so wärmer. Spätabends war mein Fleece dann eigentlich schon zu warm.
  • Gute Fotos machen von der Mondfinsternis mit offener Blende ist auf einem schnell fahrenden Schiff selbst mit Stativ unmöglich. Belichtungszeit lässt grüßen…
  • Die Kids konnten sich nicht trennen – von den anderen Kindern und vor allem von den Gastgebern Kids. Und wollen noch mal 17 Tage fahren.
  • Wir können uns auch nicht trennen. Nach der Transatlantikreise 2006 definitiv die beste Kreuzfahrt. Was wir nicht gedacht hätten, schließlich ging es mitten im Hochsommer in die kalte Arktis. Aber nicht nur die tollen Ziele haben dazu beigetragen, auch die außergewöhnlich tolle Crew der Luna. Hier ist eine wirklich besondere Stimmung an Bord. Wie man sieht: nicht das Schiff macht das Schiff, sondern die Menschen. Wir freuen uns auf die nächste Reise in unbestimmter Zukunft.
  • Das nächste Sommerreiseziel der Flugadler: Donauradwanderweg mit Kids? Mal sehen – stay tuned…

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Auf den Bergen in Bergen

Bergen besteht aus Bergen (yeah, Brüllwitz). Insgesamt übrigens aus sieben. Davon gibt es einen, Fløyen, der könnte auch glatt „Kinderparadies“ heißen. Auf diesen fährt ganz bequem aus dem Stadtzentrum eine Zahnradbahn, wir haben zu Austobezwecken den Wanderweg gewählt.

Bergen ist eine wunderschöne Stadt mit Weltkulturerbe der alten Handels- und Fischerhäuser Brygge im Zentrum. Und das beste: der Kreuzfahrtterminal ist MITTEN in der Stadt. Hammer. (Für nicht Kreuzfahrer: das ist nicht wirklich oft so). Wir liegen also vor der alten Renaissancefestung und du fällst eigentlich nur lang hin bis zu den Brygge-Häusern. Bergen ist im übrigen auch die regenreichste Stadt Norwegens. Nur nicht heute. Das Hoch über Mitteleuropa strahlt bis Südnorwegen aus. Heißt, wir haben heute schon unser Frühstück auf dem Aussendeck mit Blick über diese schöne Stadt genossen. Danach ging es mit Wanderschuhen (schwer) und kurzen Hosen und Sportshirts (leicht und luftig) ausgestattet los. Unser Ziel: natürlich Fløyen, das Kinderparadies. 320 Höhenmeter lagen vor uns. Gut ausgebauter Wanderweg. LAAAAAAANGWEILIG! Also zumindest aus den Augen der Kinder. Gut, das es zwischen den steilen Serpentinen noch steilere Offpist-Kletterabstücke gab, die haben die dann als Abkürzungen genommen. Ich nehme meine Zweifel an dem Lofoten-Mannen-Trail zurück (siehe vorletzter Blog-Post). Den hätten sie aber sowas von locker geschafft. Und vor allem ohne Murren. Denn die Kletterabschnitte hab es natürlich kein Gemecker von unseren übermüdeten Kids, nur bei langweiligen Wanderwegen. Wieso wussten wir das?

Oben angekommen sind wir per Zufall in die beste Attraktion des Fløyen reingelaufen: den Kletterpark für die Kids. Der beste Spielplatz aller Zeiten. Ganz im Sinne von Pippi Langstrumpf (ja, ich weiß, schwedisch, nicht norwegisch) galt es: nicht den Boden berühren. Für gefühlt 300 Meter mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden. Nur so viel vorab: Flo und Mio haben es wirklich geschafft, Leve und ich haben beim Hangelstück etwas gemogelt. Denn eins war klar: die Herausforderung haben nicht nur die Kids angenommen, sondern auch wir Eltern.

Nur der einsetzende Hunger und die nun endgültig vernichteten Müsliriegelvorräte dieser Reise trieben uns zum späten Mittag von dieser tollen Lokation weiter. An der Seilbahnstation gab es ein Café, Polserbuden und Softeisbude. Genau in der Reihenfolge unser Halt, Kaffee für die Eltern und wirklich leckere Hot Dogs für uns alle (sogar in Vegan für mich). Schon an dem Kletterpark haben wir Mios Freunde Benjamin und Clarissa getroffen und mit denen die Würstchen verdrückt und an der Station sind dann auch Jonas, Tobias und Luis wieder bei ihm gewesen. An der Bahnstation gibt es abermals einen sehr netten Spielplatz und auch ein Bergziegengehege. Nicht zu vergessen ein kleiner Trollpark (der ist für dich Bettina :-)). Und hab ich schon den grandiosen Ausblick erwähnt? Ansonsten hätte man noch Zipline machen können und Kayaken auf einem nahegelegenen See oben.

Irgendwann seeeeehr viel später sind wir dann wieder bergab gewandert, diesmal mit drei Kindern (Jonas wollte mit uns mit) und Gott sei Dank nur mit wenigen Abkürzungen außerhalb der befestigten Wanderwege. Wir sind noch durch den Stadtkern, haben unsere nun leeren Sonnenmilchvorräte wieder aufgefüllt und uns das Weltkulturerbe noch mal angeschaut.

Danach rief nur noch eins: der Pool! Unsere dampfenden Füße abkühlen klappte leider nicht ganz so gut: der Pool war warm. Mist 😉

Erkenntnisse des Tages

  • Wir sind keine Bergziegen, sondern Bergzombies. Woaaaaah!
  • Mio liebt Bamsesaft (schwedischer Import). Gabs oben an der Wurstbude, aber nicht unten in den Supermärkten. Und jetzt?
  • Wow, ich finde es jetzt schon heiß, wie soll es erst in zwei Tagen in Deutschland werden?
  • Die beste Abkürzung ist die Rutsche den Berg runter. Sowas sollte es öfter geben.

Sonnenuntergang auf der Norwegischen See

Yeah, wir haben wieder Sonnenuntergänge nach einer Woche. Und dann noch eine aalglatte Norwegische See (wann kommt das eigentlich vor?). Der Seetag war also einfach zum Genießen, zumal wir langsam wieder in wärmere Gefilde kommen.

Ausschlafen war natürlich nicht – das ist das Los von Partynächten als Eltern. Naja, egal. Nach einem entspannten Frühstück waren die Kinder wieder im Kidsclub, allerdings nicht lang. Das Team von der AIDAluna hat ein richtig klasse Familienfest auf die Beine gestellt mit Aktionsspielen, Stempelkarten zum Gewinnen und für die Kids spannende Dinge wie Handtuchtiere falten, Kinderschminken oder für die Mädels Frisuren Flechten. Die kleinen Mädels auf dem Schiff liefen an dem Tag alle wahnsinnig schick rum. Da die Gastgeber keinen Husky schminken konnten (Mios absoluter Wunsch), durfte ich mich spontan austoben (und das wegen Seetag OHNE Hilfe von Google Bilder als Vorlage). Unsere Kinder sind also mit einer Menge Handtuchtiere wieder auf die Kabine und Leve hatte bei dem Gewinnspiel mit den ausgefüllten Stempelkarten von den Activitystationen sogar einen der drei Hauptpreise gewonnen. Nach Mios Cocktailgutschein, meinem Frühstück im Buffalo Steak House und Leves Gewinn fehlt jetzt eigentlich nur noch Flo zum Glückskind-Kleeblatt 🍀 Mal sehen, wie wir jetzt noch LED-Legosteine, Schoki (und das bei der Wärme in Deutschland) und Co. nach Hause bekommen, die Koffer waren ja schon voll auf dem Hinweg. Flo hat sich nach dem Fest im Sportbereich ausgetobt, ich war mit Leve Pizza essen, da Mio bereits auf dem Pooldeck drei Pulled Pork Burger verdrückt hat.

Den Nachmittag hab ich dann drei Stunden beim Sport verbracht, spontan mit den Jungs beim Fit4Drums auf dem Pooldeck und danach allein noch zum Langhandelworkout und zum letzten Cyclingtraining auf dieser Reise. Die Kids haben sich danach im Club auf ihren großen Auftritt vorbereitet. Flo hat derweil sein drittes Hörbuch fast durch.

Abends stand alles im Zeichen der „Boom!“-Show der Kinder. Mio als „Tonnenkind“ (Trommler auf Mülltonnen) und Leve als Polizist – ein ganz schön inszenierte Percussionshow. Flo und ich haben immer etwas unterbrochen zu Abend gegessen wegen der Show, aber das war okay. Später sind wir noch auf der Pooldeck „Sunset“ Party gewesen mit grandiosem Sonnenuntergang. Für die Jungs ein langer Abend, für uns eher kurz, da wir dann um halb elf alle schlafen gegangen sind.

Erkenntnisse des Tages

  • Fit4Drums ist cool – machen wir am Freitag nochmal, wenn es das noch mal gibt. Einfach im Musiktakt auf die Trommel dreschen und dabei tanzen – das kriegen auch die Kinder hin…
  • Die Norwegische See ist voller Ölförderinseln, haben sogar ein paar gesehen
  • Mal wieder Erkenntnis bestätigt: wenn Kinder im Kreis rennen, sind sie müde. Mio eine halbe Stunde auf der Joggingstrecke rund um den Schiffsschornstein, Leve auf der Tanzfläche.

Lovely Little Lofoten

Die Lofoten standen ja schon immer auf meiner „Bucket-List“ – also den Must-See-Destinationen vor der Löffelabgabe. Seit heute weiss ich einmal mehr warum: es ist einfach unsere neue Traumdestination. Und definitiv in Zukunft ein mehrwöchiges Reiseziel für die Flugadler – wahrscheinlich mit Wohnwagen. Fjell of Fjord – Meer und Berge – in absoluter Nähe. Traumaussichten und überraschende Kulissen hinter jeder Kurve. Ich hätte wirklich an jeder Strassenausbuchtung einen Fotostopp machen können. Lofoten an einem Tag – das wird dem ganzen nicht gerecht. Nehmen wir unsere AIDA-Tour einfach als erfolgreiche Schnupperfahrt.

Flo und ich waren heute ganz allein unterwegs – die Kids hatten sich schon gestern Abend entschieden an Bord bleiben zu wollen. Schließlich ist morgen die große Show der Kids im Theatrium und heute war Generalprobe. Abgesehen davon, dass ihre Freunde heute auch alle an Bord bleiben wollten. Selbst „STRAND“ und „WANDERN“ zog mal so gar nicht. Hä? Ein bisschen traurig war ich schon, aber dann halt nicht. Also konnten wir kurzfristig den Tag zu unserem Tag umplanen.

Wir hatten schon in Deutschland bei Lofoten Utleiebilen einen kleinen Wagen zum Hafen vorbestellt und wollten auf eigene Faust die Lofoten erkunden. Die Kids-Programmpunkte Strand und Wandern ergänzten wir also noch um eine längere Inselrundfahrt, so passte es perfekt für uns.

Die Luna lag auf Reede, da das Schiff zu lang ist für den Pier in Gravdal / Leknes. Wir kamen aber dank frühem Anstellen gleich mit dem ersten Tenderboot mit und konnten unser Auto früh übernehmen. Bei bewölktem Wetter sind wir erstmal Richtung Å ganz im Süden der Lofoten gefahren. Selbst ein paar Regentropfen zwischendurch hielten uns nicht von den Fotostopps ab. Und nach wenigen Kilometern mit Ahs und Ohs war für uns klar: hier müssen wir auf jeden Fall wieder hin. Wir haben unser Herz ein wenig verloren an diese wunderschöne Insel 🙂

Sakrisøy und Hemnøy auf dem Weg nach Å sind tolle Postkartenmotive, aber Reine ist das ultimative Fotomotiv, wahrscheinlich im Sonnenschein (den wir nicht hatten) noch mal mehr. Hier waren wir auch in dem kleinen süßen Kafe Bringen für hervorragenden italienischen Kaffee und norwegische Sweets. Die Wanderung auf den Reinebringen haben wir uns gespart (sehr steil und derzeit sehr steinlawinengefährdet), haben uns Å aus dem Auto angesehen (süß, aber von mindestens drei AIDA-Bussen grad etwas überlaufen) und sind dann wieder gen Norden. Flo hat dann noch mal alle Fotostopps angefahren, die wir meinten auf dem Hinweg verpasst zu haben und ich hab auf alle Hikes hingewiesen, die beim nächsten Besuch erobert werden können. Beste Website dafür: http://www.68north.com. Also viele und an jeder Ecke. Dabei hab ich herausgefunden, dass es hier sogar ein Skigebiet gibt. Cool!

Auf der Website hab ich auch den Tipp für die ursprünglich mit den Kids geplante Tour her. Von einem der schönsten Strände (Weiß. Türkis. Eiskalte Karibik!) geht ein toller Trail auf den Gipfel des Mannen ab, die meiste Zeit auf dem Berggrat und mit Blick auf die wunderschönen Strände Haukland und Uttakleiv. Als wir parken, fragten uns drei Deutsche, ob wir von der AIDA wären und ob wir sie mit zurücknehmen könnten, wenn wir wieder fahren. Eine Mama mit zwei Teens / Twens. Klar, aber wir würden halt noch kraxeln. Kein Thema für die drei, die froh waren, eine Tour zurückzubekommen, da ein Taxi zurück etwas schwierig zu ergattern war – war halt ein Schiff mit 2.000 Gästen im Örtchen angelandet. Welches das wohl war 😉

Wir sind also die 400 Höhenmeter auf den Mannen gewandert. Als „easy“ wie aus der Seite http://www.68north.com/outdoors/hiking-mannen/ beschrieben würde ich den Weg nicht bezeichnen, der durchaus öfter vollen Körpereinsatz erforderte und natürlich auch relativ steil an der einen oder anderen Ecke war. Wir hatten die knapp zwei Kilometer bis zum Gipfel vom Strand aus in knackigen 45 Minuten geschafft. Ausser uns waren noch einige Wanderer oben – zu 80 Prozent Norweger, durchweg sportlich. Einige auch mit ihren Kids, die zu unseren vom Alter her gepasst hätten. Sind halt alle von klein auf Outdoor-erzogen. Hab ich schon erwähnt, dass ich dieses Land und Völkchen seit mehr als 20 Jahren einfach liebe?

An der ein oder anderen Stelle war ich allerdings froh, dass wir unsere Kids nicht mit hatten. Der Weg war teils schon sehr steil und nullkommanull abgesichert, da ging mir selbst auch ein bis zwei mal die Pumpe. Höhenangst hab ich nicht, aber wenn man die Schritte falsch setzt und abrutscht, wär es nicht soooo gut gewesen. Mio hätte es sicher gut geschafft mit etwas Konzentration und Auf-uns-hören (wobei er das grad in diesem Urlaub sehr verlernt), aber ob das Leve so durchgehalten hätte? Die Stufen wären für ihn of Hüfthohe gewesen mit seinen 1,10 Zentimeter – megaanstrengend. Und ohne zu viel verraten zu wollen: Flo hatte am Abend Muskelkater 🙂

Für die grandiose Aussicht lohnte sich der Aufstieg. Megaweit und super schön! Wir hatten Glück, der zwar oben sehr harsche Wind trieb auch die letzten Regenwolken davon und wir konnten viele Hügel- und Bergketten- sowie Fjorde-weit sehen.

Nach einem ausgiebigen Fotostopp auf dem Gipfel, Müsliriegelpause und Flüssigkeitsnachschub sind wir in nur 30 Minuten wieder abgestiegen – es ging schnell trotz teils rutschiger Stellen. Ein Kaffee und Snack in der Energiestation am Strand und eine kleine Fußabkühlung im kalten Atlantik später waren wir dann wieder gestärkt und rundum fit. Übrigens kann man direkt am Strand auch wild campen – einer der besten Spots dafür seit Neuseeland. Wir kommen wieder!

Mit unseren drei „Anhaltern“ sind wir zurück zum Schiff, haben das Auto auf dem Parkplatz vor dem Pier übergeben und sind bei nachmittags schon rauherer See wieder zurück getendert.

Die Kids haben währenddessen ihren Tag mit ihren Kumpels im Kidsclub sehr genossen. Davon zeigten unendlich viele Window-Color-Bilder und zwei sehr aufgeregte Darsteller, die sich auf die Show morgen freuen. Die Generalprobe auf der großen Bühne hat die Aufregung für morgen schon sehr gesteigert.

Der Abend endete sehr spaßig und feierfreudig mit einer vom Show Ensemble spontan kreierten Musical Show (sowas gibt es sonst auch nicht, aber so lange Reise bieten doch immer tolle Goodies), einem klasse Crew-Meets-Band-Abend in einer noch nie so vollen AIDA-Bar und der obligatorischen Black and White Party in der Disco, so dass wir spät – also früh – im Bett waren. Und es war auch irgendwie wieder dunkel, also fast…

Erkenntnisse des Tages

  • Flo fühlte sich zurückversetzt nach Neuseeland: One-Lane-Bridges! Abgesehen von der atemberaubenden Landschaft natürlich
  • Hier haben die Dörfchen so schön kurze Namen: Å, Bø…
  • Erster Sonnenuntergang seit einer Woche – wie romantisch! Abends um 12 vor der Disco auf Deck 12.
  • O-Ton: Es ist abends immer noch hell, aber dunkler hell.
  • Unser Entertainment Manager an Bord Thilo wollte den Kapitän schon überreden, einfach an Kiel vorbeizufahren und uns alle an Bord zu lassen. Weil wir so nette Gäste sind. Also, ich hätte nichts dagegen!

Auf Polarerkundung in Tromsø

Tromsø ist DER Ausgangshafen für Polarexpeditionen – schon seit den Zeiten in denen Entdecker noch richtige Entdecker waren. Da ist die schon nennenswerter größere Stadt (rund 80.000 Einwohner) im Polarkreis auch für uns Flugadler die richtige Entdeckerstadt. Auf dem Programm standen das Polarzentrum „Polaria“, das grad mit Kindern ein toller Besuchspunkt ist, und eigentlich auch das Polarforschermuseum. Letzteres mussten wir allerdings zeitlich opfern, da Mios Cocktailworkshop auf der AIDA bereits um viertel vor zwei startete.

Also nur Polaria. Wir sind von dem gut 4,5 Kilometer entfernten Pier 24 (Breivika) mit dem AIDA-Shuttle gefahren. Das hatten sie ganz geschickt gemacht, alle Kabinen hatten schon mal vorsorglich Shuttletickets erhalten, und nur wenn Du sie genutzt hast, wurden sie abgerechnet. Die Kids mussten nichts bezahlen und so war es vergleichbar mit möglichen Taxikosten. Die Strecke wäre aber auch mit den Kids zu weit gewesen.

Vom Shuttletreffpunkt aus ging knapp einen Kilometer zu dem Museum. Hier dreht sich alles rund ums Polarmeer. Ein Panoramakino bietet virtuelle Flüge über Spitzbergen (im Frühjahr) an oder beeindruckende Aufnahmen von den Polarlichtern hier oben in der Polarnacht. Sehr schön aufbereitet kann man die Tierwelt entdecken, unter und über Wasser. Im Aquarium gab es Königskrabben, Anemonen und natürlich das Highlight: je zwei Robbenpaare. Die Kinder waren begeistert, zumal die Informationen sehr ansprechend und kindgerecht aufbereitet sind. Wir sind dann entlang des Hafens wieder zurück und haben uns in die schnuckeligen Häuser in Tromsø verliebt. Schöne hyggelige Stadt.

Den Rest des Nachmittags hatten wir Auszeit für uns, da die Kids wegen Workshop und Window-Color-Malen im KidsClub waren. Also hieß es Schlaf nachholen (Mio war wieder sehr unruhig die letzten Nächte) und den Sportbereich entern. Am Abend hatten wir ein Highlight an Board gebucht, auf das uns unsere Bekannten hier hingewiesen haben: Familien-Dinner im Buffalo Steak House. Mit Maskottchen Dodo, Märchenstunde mit den bordeigenen Schauspielern und viel Beschäftigung für die Kids, die selbst auch nichts bezahlen mussten. Kleine Überraschungen gab es auch noch. Wir hatten ein grandioses Menü zubereitet von Küchenschlacht-Koch Franz Schned: das beste Thunfischtartar meines Lebens, für die Fleischesser Steak, für mich Fisch und zum Nachtisch Schokokuchen mit flüssigem Kern und Mangoeis. Es war lecker und durch die tollen Märchenlesungen herrlich entspannt. Wir haben den tollen Stimmen von Laura Holly und Tom Viehöfer ebenfalls sehr gerne gelauscht. Wann bekommt man als Eltern selbst so toll vorgelesen? Das Angebot ist eine Premiere von AIDA und so wie ich es verstanden habe, ein Testballon. Uneingeschränkt zu empfehlen! Nach der obligatorischen PrimeTime im Theatrium waren wir früh im Bett, hatten aber mal wieder Probleme wegen der anhaltenden Helligkeit runterzukommen. Naja, das hat bald wieder ein Ende. Irgendwie auch leider.

Erkenntnisse des Tages

  • Wir lagen heute neben Kronprins Haakon. Leider nur das Schiff.
  • Ich hab was absolut Neues entdeckt: ein Tunnel mit Kreisel drin. Und in der Mitte haben sie den Berg stehen gelassen. Sowas können auch nur Skandinavier. Hammer.

Mitternachtssonne mit Sonnenschein

Longyearbyen ist schon schwer zu toppen. Aber diese Reise reiht die Nordmeerperlen einfach aneinander. Mit saugutem Wetter. Wir sind wirklich Glückskinder. Von nun an geht es immer nur noch südlich, der Wärme entgegen. Die Sonne bringt grad nicht nur Deutschland zum Schwitzen, sondern mich auch als Mutter. Ich habe nämlich nach empirischer Beobachtung der Wetterdaten unserer Häfen in den letzten sechs Wochen nämlich ganz viel Fleece, Langarmshirts, Strumpfhosen und Co. eingepackt. Und nur zwei kurze Garnituren für die Jungs. Die können sie jetzt wohl im Wechsel tragen, wenn das Hoch über Europa anhält. Und ich meine beiden einzige kurzen Kleider auch. Aber besser so als andersrum.

Auch hier oben über dem 70 Breitengrad ist es nämlich mit rund 20 Grad und intensiver Sonne rund um die Uhr warm. Norwegische Karibik würde ich sagen.

Der Seetag nach Longyearbyen war zur Hälfte noch neblig, wellig und kühler. Als wir dann am Nordkap auf zwei Seemeilen fast vorbeigeschrabbt sind, riß die Wolkendecke auf und seitdem sind wir wieder sonnenverwöhnt.

Abends um 23 Uhr haben wir in Honningsvag, dem Hafen nahe des Nordkaps, festgemacht. Neben der kleinen AIDAaura. Ich hab den Moment leider verpasst, da ich Mio ins Bett gebracht hatte, dem nach vier (zwar alkoholfreien) Cocktails so schlecht war, dass er nicht mehr schlafen konnte. Das kommt von der unlimitierten Getränkekarte!

Aber Flo hat alles mitbekommen jwd ist dann noch mal von Bord und durch das kleine Städtchen, dass um die Uhrzeit zwar taghell war, aber in dem natürlich alles bereits zu hatte. Auch die Eisbar, in die er noch mal schauen wollte.

1.800 Menschen sind derweil in 50er Gruppen vom Schiff in Busse gestiegen und die 45 Minuten zum Nordkap gefahren. Erste Tour begann um 23:25 und war um 2:30 Uhr wieder zurück. Da uns das Nordkap nicht wirklich reizte (mit so vielen Menschen auf einer betonierten Fläche stehen und eine stählerne Weltkugel fotografieren), haben wir die Ausflüge dorthin nicht gebucht. Zumal wir wussten, dass die Kinder bei einem Nachtausflug für mindestens zwei Tage nicht zu gebrauchen sind. Und alleine auf dem Schiff lassen wollten wir sie dafür auch nicht. Mios Freunde sind allerdings mit ihren Eltern gefahren und alle hatten wirklich Glück, da sich das Wetter mild, windstill und sonnig zeigte (was auf allen drei Reisen vor uns nicht war). Mit AIDA hätte uns der Ausflug 300 Euro gekostet. Die Familie mit den Teens aus der Nachbarkabine haben daher ein Taxi vorreserviert und sind für 160 Euro hin- und zurückgefahren. Wäre für Kreuzfahrer mit Kindern am Nordkap / Honningsvag also auch eine Alternative.

Flo und ich sind, als die Kids ruhig geschlafen haben, über das menschenleere Schiff, haben uns einen Cocktail an der Beach Bar geholt und einen Mitternachtsdrink im Strandkorb auf Deck 14 genossen. In der Sonne. Da kann einem der Rhythmus wirklich auseinandergeraten. Irgendwie bist du müde, aber sobald du in der Helligkeit bist, fühlst du dich gleichzeitig wach. Witziges Gefühl.

Wir haben dann bis acht Uhr geschlafen und konnten – oh Wunder – draußen auf Deck 10 frühstücken. Zwar in Fleecejacken, aber immerhin. Die Einfahrt in die Bucht von Hammerfest war ein Traum. Und das Schiff war immer noch ziemlich leer 🙂

Hammerfest ist überschaubar und daher sind wir erst ab Mittag von Bord. Die Kids haben den Kidsclub mit acht anderen Kindern ganz für sich genossen und durften dort Wii spielen. Kein Wunder, dass sie ganz begeistert waren. Nach dem Mittagessen sind wir dann die knapp zwei Kilometer in die Stadt gegangen. Unser Ziel war der Royal and Ancient Polar Bear Club of Hammerfest. Da sind wir aber gar nicht angekommen. Mitten in der Stadt neben dem Rathaus und den silbernen Eisbären ist nämlich ein Spielplatz. Ein Spielplatz. Da sind wir wieder. Bald schreiben wir ein Buch über Spielplätze für Reisedestinationen. Natürlich haben die Jungs da die halbe Bande an Kidsclubfreunden getroffen und haben sich ausgetobt. Mio wollte schon die ganze Zeit wandern und klettern, also sind wir auf den Hausberg hoch. Dorthin führt direkt hinter dem Spielplatz der sogenannte Zick-Zack-Weg. Mios Kumpel Jonas haben wir auch noch mitgenommen. Die Kinder konnten sich also ordentlich am Berg auspowern und die Aussicht war auch sehr lohnenswert. Auf dem Rückweg ist Flo mit den drei Jungs dann an den kleinen Stadtstrand. Mio wollte baden, hat dann aber doch vor dem kalten Wasser zurückgezogen. Huch, was war da los? Steine flippen ging allerdings super. Ich bin dann doch noch kurz zum Eisbärenclub gegangen und habe meine Adventskalendergeschenkesammlung für den nahenden Dezember weiter ergänzt. Sechs weitere Tage für meine Männer abgedeckt 🙂

Ansonsten sitzen wir heute nur in der Sonne draußen und genießen die frische Luft. Auch meine morgendliche Yogaeinheit konnte ich heute Vormittag draußen absolvieren. Herrlich.

Erkenntnisse des Tages

  • Wer in Hammerfest ankommt, kann sich gar nicht verlaufen. Und falls man es doch versuchen sollte, führen Eisbärtapsen auf dem Weg dich immer zum Eisbärenclub.
  • Hier gibt es überall Eisbären. Sogar welche, mit denen man kuscheln kann.
  • Haben Thilo, unserem Entertainment-Manager vorgeschlagen, eine Übernachtungsparty für die Kids an Bord zu veranstalten. Dann hätten wir uns das mit den Ausflügen auch überlegt. Wahrscheinlich dann aber eher die Aktivfahrradtour.

Fallen in Love with Huskies

Zugegeben – wir haben uns am meisten auf diesen Tag dieser Reise gefreut. Und wurden nicht enttäuscht. Die Titelzeile verrät es: wir waren auf Spitzbergen Sommerschlittenfahren mit Huskys (ich nehm hier im Fließtext mal den deutschen Plural :-). Und alle so begeistert, dass wir jetzt noch mehr sparen, damit wir uns mal einen Mehrtagestrip mit Schlittenhunden im Winter leisten können. Wenn die Kids größer sind und nicht gleich erfrieren.

Das Problem des Erfrierens hatten wir zumindest heute nicht – Spitzbergen begrüßte uns heute morgen mit konstanten 8 Grad (relativ warm für den 78 Breitengrad im Juli) und durchwachsenem Wetter, aber wieder mal glücklicherweise ohne Regen. Die morgendliche Yogasession war mal ein Träumchen, der Adventfjord von Spitzbergen, an dessen Ende Longyearbyen liegt, ist eine wunderschöne Kulisse. Im Hintergrund sind die schneebedeckten Gipfel und die Gletscher der Insel auszumachen, die Hänge leuchten moosgrün.

Für die Flugadler hieß es abermals „früh“ aufstehen. Gott sei Dank hinter der ersten Welle der Ausflügler, die das Schiff bereits um kurz nach acht Uhr verließen, so dass wir um die Zeit ein entspanntes Frühstück geniessen konnten.

Um zehn Uhr holten uns dann unsere Guides vom Svalbard Villmarkssenter ab und fuhren uns zu ihrem kleinen Anwesen. Svalbard heißt übrigens auf Norwegisch die weisse Küste und ist der norwegische / englische Name für Spitzbergen. Mit dabei war noch ein Paar vom Schiff und die Familie neben unserer Kabine mit Teeny-Kindern, mit denen wir schon zusammen gegessen haben und die sehr sympathisch sind. Was für ein Unterschied zur Bustour von vor zwei Tagen. Unser Ausflug war mit knapp 400 Euro aus wesentlich günstiger als der AIDA-Ausflug und doppelt so lang. Und außerhalb der Ströme.

Die Huskys waren schon ganz aufgeregt, als wir kamen. Das sind vielleicht Kraftpakete, aber sooo süß. Einige waren Gott sei Dank etwas ruhiger, so dass die Jungs mit ihnen kuscheln konnten. Am liebsten hätten wir wohl alle mindestens einen Husky eingepackt.

Wir haben von unseren beiden Guides, der Französin Manon und dem Tschechen und Wahlniederländer Martin, eine Einführung in die Steuerung und vor allem in die Bremsen und Blockierung der Wagen. Es gibt fünf Regeln:

1. Abstand zum Vordermann halten von 5 Metern

2. Immer die Hand an den Bremsen. Wenn wir stehen, Bremsen feststellen und Räder blockieren.

3. Hunde zwischendurch trinken lassen und immer beim Leithund vorne beginnen. Sonst gibt es Hundekuddelmuddel und vertüddelte Leinen

4. Wenn ein Hund muss, Poo-Stop einlegen. Bremsen und warten bis er fertig ist.

5. Hund und Wagen sind eine Einheit, die Hunde führen, wir folgen. Anweisungen auf norwegisch (puh, kam Gott sei Dank wieder zurück in meinem Hirn, nutze die Sprache ja seit vier Jahren so gar nicht mehr)

Zuerst ist Flo mit den Kindern im Dreierwagen gefahren, die beiden vorne, er stehend hinten. Ich war vorne drin bei unsrem Guide Martin. Gott sei dank haben wir alle dicke Schneeanzüge bekommen – nicht wegen der Kälte, es war wie gesagt mollig warm, sondern wegen dem Matsch. Es gibt nur drei Straßen in Longyearbyen und die längste und befahrenste davon sind wir zuerst gefahren. Was nichts heißt, sie ist halt nur nicht befestigt und war durch den gestrigen Regen sehr, sehr matschig. Autos und Laster waren eher an einer Hand abzuzählen. Die Leihgabe bedeutet zumindest, ich muss den Kram nicht rauswaschen, tschaka. Wir sahen nämlich etwas schlammig aus nach der Fahrt. Wir sind raus aus der Stadt, Martin hatte natürlich das verpflichtende Gewehr dabei. Falls wir Eisbären gesehen hätten. Haben wir meiner Meinung nach Gott sei Dank nicht, nach der Meinung der Jungs leider nicht.

Bei einem der Wasserstopps haben wir dann gewechselt und ich durfte fahren. Das macht Spaß!!! Wir sind total angefixt. Auf jeden Fall also noch mal mit Schlitten im Schnee. Dann „trinken“ die Hunde übrigens während des Fahrens den Schnee, den sie sich beim Laufen hochschmeissen. Wir sind also raus bis zu den Gletscherseen und dann über unbefestigte Wege eine Tour und wieder zurück.

Zurück am Center haben wir die Huskys abgeschirrt und alles fertig gemacht. Wir durften noch norwegischen Käse mit Marmelade und Keksen am Feuer essen und seeeeeehr viel Huskys knuddeln. Konnten uns kaum trennen. Manon hat uns dann mit dem Jeep zurück zum Dorfkern gefahren und wir sind noch ins sehr gute Svalbard-Museum gegangen, mit Eindrücken von der Geschichte der Insel, sowie Geologie, Flora und Fauna. Wir waren begeistert. Die Kids waren kostenlos, bzw. mit 1,50 Euro nicht sehr teuer und auch wir Erwachsenen mussten nicht viel bezahlen.

Flo ist dann den kurzen Weg zurück zum Schiff mit den Kids gelaufen. In Longyearbyen ist alles sehr schnell fußläufig erreichbar. Da unsere Kids dann beim Laufen „Huskys“ gespielt haben, waren sie unglaublich schnell am Schiff und ich hab sie erst dort eingeholt, da ich noch ein wenig in den Geschäften schauen war.

Der Abend verlief mit den üblichen Annehmlichkeiten des Schiffes – inklusive aufgebauter Eisbar und gebunkertem Spitsbergerbier gebraut mit Gletscherwasser. Und zum Auslaufen begleitete uns eine Familie Belugawale aus dem Fjord (das sind die weißen). Wow!

Erkenntnisse des Tages

  • Siehe Titelzeile ❤️
  • Auf Spitzbergen darf man nicht sterben. Per Gesetz. So. Bleiben wir halt hier – lieber heiliger Gral!

In der hellen Nebelsuppe

Wir schwimmen im arktischen Meer. Gott sei Dank mit gut funktionierendem Radar und zwei Polarnautikern an Bord. Die ersten Eisberge sollen nämlich schon an uns vorbeigezogen sein. Natürlich in gebührendem Abstand. Können wir aber nicht verifizieren. Es ist nämlich Nebel. Heute morgen beim Sport gefühlt bei zwei Metern Sicht, gegen Mittag immerhin schon wieder bei rund 50 Metern. Etwas gespenstisch ist das schon. Heißt aber auch: wenig Wind und damit nullkommanull Seegang. Man kann schließlich nicht alles haben. Und ruhiges Schiff hat ja auch was. Ist Mio zumindest nicht schlecht. Wir genießen also unseren Tag in der Nebelsuppe mit Schiffsannehmlichkeiten: Lesen, Reisetagebuchblog schreiben, Hörbuch hören, Kidsclub, Essen. Eine Stunde der gewonnen zwei Stunden Zeitunterschied gen Island haben wir heute Nacht wieder verloren, die zweite kommt dann die nächste Nacht dran. Longyearbyen, die Stadt auf Spitzbergen, liegt dann wieder in der gleichen Zeitzone wie Hamburg.

Zwischenzeitlich lichtete sich übrigens der Nebel für zwei bis drei Stunden – auf der Nordseite der Insel Jan-Mayen. Ich kannte die vorher auch nicht, sie ist aber mit 52 Kilometer Länge und einem noch aktiven Vulkan mit über 2.000 Meter Höhe, der mit Gletschern überzogen ist, doch nennenswert groß. Die volle Größe des Vulkans konnten wir aber auch nicht erkennen, die Wolken hingen immer noch auf gut 300 Metern fest. Ist aber wohl relativ normal, die Insel liegt an 220 Tagen im Nebel und an 98 Prozent ist der Vulkan nicht komplett zu sehen. Ansonsten ist hier eine Wetter- und Militärbasis und es leben glatte 18 Menschen auf Jan-Mayen, alles Militärangehörige. Ich vermute für die Nato, aber das weiss ich nicht wirklich. Sobald ich wieder Netz habe, werde ich mal darüber googeln, die Insel und die Fotos mit Sonne interessieren mich schon. Den Vortrag, den es dazu vom schiffseigenen Lektor gab, hab ich wegen der parallellaufenden Zumba- und Cyclingstunden am zweiten Seetag verpasst.

Ansonsten ist außer einem todtraurigen Kind nicht viel passiert – Leve war nämlich der erste auf der Warteliste für den zweiten Zauberwaldabend, der nicht mit durfte. ER war nämlich schon mal, und erstmal durften die anderen. (Zur Erinnerung: Zauberwaldabend gleich Kidsabend in der ansonsten kostenpflichtigen Wellnessoase mit Schwimmen, Geschichte und Süßigkeiten – also dreifaches Kinderglück). Oh je je. Eine halbe Stunde hat er nur geweint. Gott sei Dank hat er sich dann später wieder beruhigt, auch dank fürsorglichem Bruder, der ihn mit alkoholfreien Cocktails und Waffeln aus dem Restaurant versorgt hat.

Ach doch, noch eine kleine, sehr schöne Anekdote: am ersten Tag hab ich beim Cycling eine Walmama mit einem schon größeren Waljungen an uns vorbeischwimmen sehen. Selbst mit Fluke sind sie nachher abgetaucht. Also, so schön kann Cycling nicht mehr werden 🙂 Delfine soll es hier auch geben, aber aufgrund der Nebelsuppe sind Sichtungen weiter als 100 Meter nicht möglich und so nah Schwimmen die an unseren großen Pott dann auch nicht so oft ran.

Der zweite Seetag verlief übrigens fast haargenauso wie der erste, nicht sehr spannend, aber soooooo erholsam und sportreich für uns. Mio war beim HipHop-Kurs bei Ilka Groenwold, die bei uns als Sportgastlektorin mitfährt und sehr begeistert. Flo hört Hörbuch und schläft. Alle meine mitgebrachten Bücher sind jetzt durchgelesen, selbst für Bernhard Schlink hatte ich die Ruhe es in einem Zug durchzubekommen.

Wir hoffen immer noch, dass sich der Nebel lichtet und wir die nichtuntergehende Sonne zu Gesicht bekommen. Heller Nebel rund um die Uhr ist jetzt nicht ganz so aufregend. Aber vielleicht haben wir ja in Longyearbyen, Nordkap, Hammerfest oder Tromso noch die Chance.

Erkenntnisse des Tage

  • Polar Pilots oder Eismeerlotsen ist der korrekte Ausdruck für Polarnautiker. Und seit Juli diesen Jahres Pflicht an Bord zu haben bei Schiffsfahrten in arktischen Gebieten. Unsere Kabinen sind übrigens nicht nur mit Schwimmwesten ausgestattet, sondern auch mit einem Extranotfallkit mit wärmenden Sachen und Verpflegung. Gibt es bei AIDA wirklich nur auf Polarreisen. Auf unseren bisherigen Reisen hatten wir das nicht. Heißt aber auch: noch weniger Platz in den Schränken.

Von Elfenhäusern, versteinerten Trollen und Mückenschwärmen

Islands Küste gestern Abend war noch ein Traum – und die hochstehende Sonne lässt einen schnell vergessen, wie spät es ist. Flo und ich haben bei kühlen Temperaturen, aber warmer Sonne noch Cocktails auf dem Außendeck genossen mit herrlicher Aussicht auf die Naturschutzgebiete Westfjordlands und auch die Kinder wollten nicht ins Bett. Was bedeutete, dass wir alle vier heute morgen das Weckerklingeln um 6:15 Uhr nicht so sehr toll fanden. Die Einfahrt in den längsten Fjord Islands hatten wir da allerdings schon verpasst (gut, dass es später noch ein sonniges Auslaufen gab). Anlegen in Akureyri war heute schon um 7 Uhr. Sind wir gar nicht mehr gewohnt, das frühe Aufstehen. Gab auch etwas Protest, aber um 6:50 Uhr waren wir alle in Outdoorklamotten, Wanderschuhen und mit Autan eingeschmiert beim Frühstück. Denn um 7:45 Uhr ging unser Ausflug in die Geothermalgebiete rund um den Myvatn-See los. Übrigens der einzige, den wir mit AIDA gebucht hatten und so gut er auch war (war er wirklich), Flo und ich haben wieder festgestellt, dass wir das mit dem Bus wirklich lassen sollten, wir können einfach nicht drauf.

Akureyri ist die „Hauptstadt“ des Nordens Islands und das zweitgrößte Zentrum auf der Insel. Mit 20.000 Einwohner überschaubar, aber bei 350.000 Isländern (die zu 60 Prozent in und rund um Reykjavik leben) schon eine sehr eine große Ansammlung. Die Siedlung existiert schon seit gut 900 Jahren, das älteste Haus steht seit über 220 Jahren. Nicht zu erwähnen, das grandiose Thermalfreibad mit den meisten und höchsten Rutschen auf der Insel. Aber das war ja wie gesagt nicht unser Ziel heute. Akureyri hat so viel zu bieten (Islandpferdereiten, Walbeobachtung, tolle Umgebung), dass man hier wirklich Tage verbringen könnte. Steht also neu auf unserer Langzeiturlaubsliste  – so ein Rundfahrturlaub auf Island mit Zelten und Wandern. Auch wenn Flo und ich die hohen Preise weiterhin verdauen müssen.

Unseren Ausflug gab es insgesamt mit sieben Bussen – puh, diese Menschenmassen. Wir haben dennoch nur noch einen Dreierplatz auf der Rückbank ergattert und einen weiteren Einzelplatz sieben Reihen davor. Flo und ich waren immerhin so intelligent, Spuckbeutel vom Schiff einzupacken, die wir dann bei der Rückbankbelegung auch wirklich gebraucht hatten. Diesmal hat es von unseren gerne mal im Auto reisekranken Kindern Leve mit Mehrfachübergeben erwischt. Armes Hascherl, aber danach geht es den Lütten ja sofort wieder gut.

Wir sind dann über den Damm zwischen Flußdelta und Fjord Richtung Osten gefahren – beeindruckende Landschaften. Gletscher- und Eiszeitgeformte Vulkanfelder, teilweise wieder bewaldet und auf jeden Fall moosbegrünt. Da „Aus-dem-Bus-Fotos“ ja meist nicht so gut werden, hab ich nur wenig Impressionen einfangen und umso mehr auf mich wirken lassen (wenn ich nicht grad Spuckbeutel gehalten hab). Die Straßen von Akureyri nach Myvatn sind mittlerweile auch gut ausgebaut, so dass wir doch einen Mietwagen hätten nehmen können. Bis vor wenigen Jahren waren es noch Schotterpisten und das war der Grund für den Bus (Privattour mit Jeep  und Guide war uns mit knapp 800 Euro für uns vier dann doch zu teuer :-)) Fürs nächstes Mal wissen wir es besser. Dafür war unsere Reiseführerin, schweizerische Emigrantin und Wahlisländerin Rebekka, ein wirklicher Zugewinn und hat sehr viel über Land, Geologie, Sagen, Mythen sowie Gesellschaft und Leute während der Fahrt erzählt. Selbst die Jungs haben aufmerksam zugehört und das haben wir nicht so oft bei Reiseleitern.

Beim Myvatnsee angekommen sind wir erst einmal rechts Richtung Namafjall und Hverir abgebogen, einem Hochtemperaturgebiet, an dem Schlammquellen und -Vulkane und Dampf durch die hier sehr dünne Erdkruste hochschießen. Nicht zu vergessen: der alles überdeckende Schwefelgeruch, der uns sehr an Roturua in Neuseeland erinnerte. Wir wurden noch gewarnt, nicht in die Schlammpfützen auf dem Weg zu treten, was bei sich mal wieder übergebenden Levian allerdings nicht im Hirn ankam. Der Schlamm soll nämlich aufgrund der mineralischen Zusammensetzung sich sehr hartnäckig halten und so gut wie nicht mehr abgehen. Ich habe es noch nicht probiert, aber Leves Leder-Wanderstiefel werden mir zu Hause noch etwas Arbeit bereiten 🙂

Nach dem Halt in dem Geothermalfeld mit Blick auf die Tafelvulkane sind wir dann weitergefahren zu der geologischen Besonderheit Dimmuborgir. Aber kommen wir erst einmal zur mythischen Erklärung von Dimmuborgir, die ist nämlich noch schöner als die geologische . Hier lassen sich nämlich nun die von uns auf dieser Reise schon länger gesuchten Trolle finden – allerdings versteinert. Was Mio und Leve gleich erstaunen ließ, dass Trolle sooo groß sind. Flo und ich meinten eher, das Auge Saurons gefunden zu haben, was dann wieder zu weiteren Fragen bei den Kids führte. Doch bald der Hobbit als Gute-Nacht-Geschichte? Wie auch immer, die isländische Sage erzählt, dass die einheimischen Trolle „not amused“ waren, als die Wikinger vor gut 1.000 Jahren auf Island landeten. Also zogen sie sich nach Dimmuborgir zurück, um einen besonders fiesen und hintertückischen Plan auszuhecken, wie sie die Menschen töten und damit wieder loswerden konnten. Diesen Plan fanden sie auch und freuten sich so darüber, dass sie bis zum Morgengrauen feierten und den Sonnenaufgang vergaßen. Da die Trolle aber keine direkte Sonnenstrahlen abkönnen, versteinerten sie in diesem Moment.

Die geologische Erklärung ist etwas einfacher. Myvatn ist nahe der Spalte zwischen der eurasischen und amerikanischen Kontinentalplatte gelegen. Da diese pro Jahr circa zwei Zentimeter auseinander driftet, befindet sich sich im östlichen Island ein sogenannter Supervulkan mit großem Magmafeld, der an der ein oder anderen Stelle immer mal wieder ausbricht. Bei Dimmuborgir ist also Lava in ein See geflossen mit niedrigem Grundwasser. Da durch, dass die Lava dann unterschiedlich an der Oberfläche abkühlte und Basalt sehr porös ist, ist die Lava sehr unregelmäßig versteinert. Irgendwann ist der See abgelaufen und hat so dieses beeindruckende Labyrinth an Basaltformationen freigegeben. Dies gibt es nur so auf Island (für die Geologen unter unsern Lesern, ja auch vor Mexiko, aber dafür im Meer unter Wasser) zu bestaunen.

Wir waren auf jeden Fall sehr beeindruckt und haben uns schnell von den Massen gelöst. Ein kleines Hinweisschild „Difficult Path“ war die direkte Einladung für die Flugadler und wir sind in den kleinen Trail hineingewandert. Belohnt wurden wir mit begehbaren Höhlen, ausgehöhlten Türmen und kleineren Kletterpartien – ganz ohne weitere Menschen. Sofort waren unsere Naturburschen wieder in ihrem Element und jede Müdigkeit oder Mattheit verflogen. Dies hieß auch, dass wir genau eine Minute vor Abfahrt am Bus ankamen und wieder mal wissen, warum wir lieber auf eigene Faust unterwegs sind.

Es ging nur ein Stückchen am Myvatnsee weiter, Richtung Skutustadagigar, Pseudokrater. Diese entstanden, als Lava in ein Sumpfgebiet einfloss, diesen Sumpf zum Kochen brachte und so Sumpf, Schlamm und Feststoffe durch die „Kochtopftemperaturen“ zu Pseudokratern aufwarf. Hier machte der Myvatnsee dann auch endlich seinem Namen alle Ehre – Myvatn heißt nämlich Mücken. Und diese kommen hier in dunklem Schwärmen vor. Es sind zwar keine Stechmücken (gut für mich und Mio), dafür kriechen sie gerne in alle zugänglichen Körperöffnungen, also Augen, Ohren und Nase. Wer schon immer mal wissen wollte, wofür die bei Globetrotter auffindbaren Hüte mit umschließenden Moskitonetz so gut sind, hier wären sie angebracht gewesen. Unsere Multifunktionstücher lagen natürlich schön im Bus, also liefen wir ohne Schutz rum und pusteten uns mit spitzen Mündern unsere Gesichter frei 🙂 War wohl ein sehr lustiges Bild. Übrigens auf dem einen Bild unten, dass sind keine Vögel am Himmel, sondern die Mücken vor meiner Kamera 🙂

Die Pseudokrater waren schön, erinnerten ebenfalls sehr an Neuseeland. Wir sind dann weiter zum Mittagessen im Hotel Gigur, ein modern nordisch eingerichtetes Hotel mit Blick über den See. Und wirklich grandiosem Essen. Ich hatte schon Angst wegen der Busabfertigung, aber so war es gar nicht. Mio hat von der Tomatensuppe als Vorspeise gleich drei Teller weggeputzt (Kind! Suppe! Wow!) und als Hauptgericht gab es grandios gebratene Rotforelle aus einem nahem Fluss mit Kartoffeln und Wurzelgemüse (sehr isländisch), wir waren happy. Dann saß Mio auch noch neben Mia – einem Kind aus dem Kidsclub. Mio und Mia ist seine Lieblingsbücherreihe aus der Erstlesezeiten, dass passte ja.

Auf dem Rückweg sind wir dann an dem sehr schönen Wasserfall Godafoss vorbeigefahren und auch mal wieder etwas geklettert. Natürlich auf den erlaubten Wegen, da die Flora hier in Island durch die sehr kurzen Winter es eh schon schwer hat Fuß zu fassen. Dann müssen ja nicht noch die Touris über die empfindlichen Wurzeln trampeln. Auch hier hatten wir gefühlt wieder zu wenig Zeit. Godafoss heisst Wasserfall der Götter und führt auf die Legende zurück, dass der damalige Häuptling sich entschliessen sollte, ob die heidnischen Wikinger zum christlichen Glauben übertreten sollen. Er stimmte schließlich zu, unter den drei Bedingungen, dass die Wikinger weiterhin Pferdefleisch essen können, weiterhin heimlich zu den heidnischen Göttern beten dürfen und bei ungewollten Kindern diese nach der Geburt aussetzen dürfen, wenn sie nicht ernährt werden können (damals gab es öfter schwere Hungernöte, anders lässt sich das Verhalten bei den sehr kinderfreundlichen Isländern nicht erklären). Der Bischof stimmte zu und so versenkte der Häuptling die Statuen seines alten Glaubens in dem Wasserfall, der daraufhin zum „Götterwasserfall“ wurde. Übrigens erzählte Rebekka, dass heute die alte nordische Religion neben den christlichen Religion wieder als Religion in Island zugelassen ist und sehr hohen Zulauf hat, da sich viele Isländer mit dem sehr natur- und jahreszeitverbundenen Glauben identifizieren können.

Nach dem Tag voller geologischer Besonderheiten ging es zurück zum Schiff inklusive einer kleinen, aber feinen Stadtrundfahrt. Wir konnten Rebekka anmerken, dass sie sich wirklich in ihren neuen Heimatort verliebt hat. Liegt es an dem größten Skigebiet Islands, dass auf den Bergen hinter Akureyri liegt? Ich bin mit den Kindern an Bord, da diese wieder zu ihren Freunden im Kidsclub wollten, Flo ist noch etwas in die Stadt gelaufen (was ich gerne mit ihm zusammen gemacht hätte). Nachdem die Kinder wieder in ihrem Element waren, haben wir das Auslaufen beim Sport und bei Hörbuch genossen. Der Ejafjord, an dessen Ende Akureyri liegt, ist wirklich beeindruckend. Nicht zu erwähnen, dass wir mal wieder strahlenden Sonnenschein hatten. Island hat uns für seine Verhältnisse wettertechnisch wirklich schon sehr verwöhnt auf dieser Reise. Kalt macht ja nichts, dafür haben wir warmes Fleece mit.

Abends um 21 Uhr war dann das nächste Highlight des Tages dran: die Überquerung des Nordpolarkreises bei 66,57 Grad. Im Übrigens sind wir drübergesprungen, Mio natürlich am höchsten 🙂 Die Pooldeckfeier war kalt, aber für 21:30 Uhr sehr sehr hell und sonnig. Und ich hab mir dann doch einen Glühwein gegönnt (selbst gemacht), mein erster Juli-Glühwein im Leben. Sag niemals nie…

Erkenntnisse des Tages

  • So, jetzt hab ich die Geschichte für meine steinewerfenden Kinder: auf Island ist es verboten Steine aufzuheben oder gar zu werfen, da man nie weiss, ob dort Feen und Elfen drunter leben. Vor einigen Häusern stehen sogar kleine Minihäuser für die Elfen. Und kleine Kirchen gibt es für sie auch. Hab welche gesehen, aber war zu spät beim Vorbeifahren, sie zu fotografieren. Auf jeden Fall werfen meine Kids nicht mehr mit Steinen ins Wasser, sondern Sand…
  • Töte keine Mücke, es kommen 5.000 zur Beerdigung. Stimmt hier!
  • Nächstes Mal wieder Mietwagen, wir wissen es jetzt wieder besser. Auch wenn es ökologisch natürlich besser ist, uns Touristen in Busse zusammenzupferchen. Und der Ausflug auch zu empfehlen ist, halt nur nicht für uns. Vielleicht hätten wir dann auch nach die Natur Hot Pots am Myvatn zum Schwimmen geschafft.
  • Island ist faszinierend. Wir sparen dann mal fleissig und gönnen uns irgendwann mal die volle Dosis. Es wird dann auf jeden Fall ein sehr nüchterner Urlaub bei Preisen für ein gezapftes Bier zwischen 8 und 12 Euro. Island hat ein staatliches Monopol auf den Alkoholverkauf und besteuert (zurecht) ihn sehr hoch, da noch bis vor wenigen Jahren wirklich Probleme mit Jugendsucht gab. Jetzt setzen sie mehr auf Sportförderung. Was man ja auch an der isländischen Teilnahme an Fußball-EM und WM sehen kann. Und den vielen Sportstätten, die man unterwegs sehen konnte.
  • Die Schulinternate werden hier im Sommer zu Touristenherbergen. Spannend. Ausprobieren?

Elternauszeitwandern in Isafjördur

Die Westfjorde in Island sollen das ursprünglichste Island sein. Wir haben also heute in Isafjördur Halt gemacht. Mit gut 4.000 Einwohnern die größte Ansammlung von Menschen hier oben im Nordwesten von Island. Die Einheimischen nennen es Stadt, aber ich wär mir da nicht so sicher. Auf jeden Fall gibt es einen größeren Supermarkt, Bau- und Gartenmarkt und auch sonst ein paar Geschäfte.

Isafjördur liegt in einem der vielen Fjords, sehr geschützt. Die Einfahrt beim frühmorgendlichen Yoga war mal wieder beeindruckend.

Die Ideen für Ausflüge waren vielfältig, in der Nähe (also 33 Kilometer) gibt es einen sehr beeindruckenden Wasserfall (Dynjandi), aber die Fahrt dahin ist doch länger (anderthalb bis zwei Stunden) und ist über die Serpentinen und noch schneebedeckten Pässe auch abenteuerreicher. Die Liegezeit ist mit 10 bis 17 Uhr auch nicht so üppig und davon muss man ja immer noch je eine halbe Stunden am Anfang und Ende abziehen wegen Schiffsfreigabe und alle Mann an Bord. Das wollten wir mit den Kids dann doch nicht machen. Auch die Idee von Isafjördur ein Taxi nach Sundavik (rund 7 Kilometer weiter in der nächsten Bucht) zum Polarfuchs-Center zu nehmen und das zu entdecken – inklusive zweier mit der Hand aufgezogenen Füchse, die nach isländischen Gesetz nicht wieder ausgewildert werden dürfen – kam zwar einigermaßen, aber wohl doch nicht richtig überzeugend, bei den Kids an. Die entschieden sich schon gestern Abend, dass sie gerne auf der AIDA im Kids Club bleiben wollten. Also dachten wir uns halb spontan „Super, machen wir doch eine Aktivtour mit dem Rad“, aber Pustekuchen, auch die wird hier nicht angeboten. Nur Softaktiv – und dabei kannst Du als einigermaßen sportlicher Mensch im Stehen einschlafen. 17 Kilometer und 200 Höhenmeter in zweieinhalb Stunden – nee, danke. Die Scout riet uns auch davon ab :-), und das will schon was heißen. Hätte nur noch das E-Bike-Angebot gefehlt. 😉

Also haben wir die Kids heute morgen im Kids Club abgegeben und sind dann mit Wanderschuhen, dicken Socken, Mütze und Schal bei Hochnebel losgegangen. Es hatte heute morgen nämlich nur 5 Grad draußen, zu kalt für mitteleuropäische Sommerkinder. Unser Ziel: einen Pfad etwas hoch der Steilhänge zu finden und uns auszulaufen. Wir haben davor noch eine Runde durch die Stadt gedreht und dabei isländische Kinder im Sommercamp beobachtet, die SUP und Kajakfahren waren. Flos Wassertest an der Nordseite der Bucht bescheinigte, dass das Wasser wärmer war als die Luft (8 Grad, wie wir mittlerweile rausgefunden haben). Hätten wir doch auch unsere SUPs eingepackt 🙂 Aber das hätte dann wirklich die Kapazität unserer Kabine gesprengt und Flo hätte auch noch einen Langarmneo und eine Schwimmweste gebraucht.

Wir sind dann den Steilhang hoch – erst auf befestigten Wegen und dann einen kleinen Pfad, der sich weiter oben als Wanderweg herausstellte, da wir Wegmarkierungen gefunden haben. Runter wäre es aber auf demselben Pfad sehr glitschig geworden und so sind wir höher geklettert, um auf der Steinlawinenschutzmauer wieder runterwandern zu können. Nicht ohne noch gute 150 Höhenmeter den Steilhang nach oben zu kraxeln entlang eines kleinen Bachs. Die etwas alpinere Gangart war sehr wohltuend und die Aussicht klasse. Als wir später wieder runterkamen, kamen uns wirklich Menschenmassen entgegen, während wir noch fast alleine am Hang waren. Tja, irgendwo müssen so gute 2.000 Leute eines Schiffes, die sich über das Dörfchen hier ergießen, ja auch hin.

Wir sind dann noch in die unhübsche Dorfkirche hinein, die mit lauter Tontauben zwar einen interessanten Altarraum bietet, aber ansonsten ungefähr den gleichen 1960-1980er Charme versprüht wie die Christuskirche in Norderstedt. Kenner wissen, was ich meine. Auf dem Rückweg haben wir dann noch in der „Alten Bäckerei“ auf einen Kaffee Halt gemacht und das Dörfchen fotografiert. Spannend ist, dass die meisten Häuser aus Wellblech sind. An ein bis zwei nagen schon die Zeichen der Zeit (ebenso wie an manchen Schiffen), andere sind mit gut 100 Jahren auf den Buckeln immer noch gut erhalten.

Die entspannte Elternauszeit haben wir dann noch mit einer Sportdeckrunde inklusive anderthalb Stunden Sport und lesenderweise in der AIDA-Lounge mit herrlicher Bug-Aussicht auf den Fjord beendet. Auf das von AIDA angebotene Glühweintrinken haben wir trotz der kühlen Außentemperaturen am 16. Juli mitten im Hochsommer dann doch keine Lust. Immerhin waren diese bei der am Nachmittag herauskommenden Sonne schon auf 8 Grad gestiegen!

Ansonsten wird es heute wohl eher ruhiger werden, morgen früh geht es bereits um viertel vor acht los auf einen längeren Ausflug in Akureyri und das heißt für alle früh schlafen gehen.

Erkenntnisse des Tages

  • So ohne Kinder ist auch mal ganz schön. Spazierengehend treiben lassen und unbekannte Wanderpfade ausprobieren ist ohne Meckern sehr angenehm.
  • Das Museum in Isafjördur sah süß aus, hat uns aber nicht wirklich überzeugt, reinzugehen.
  • Gut sortierte Sportgeschäfte haben was. Flo und Mio haben gestern Mios Schwimmbrille in der Herrendusche des Schwimmbads liegen lassen. Es gab natürlich bittere Tränen, aber ein Einzelfall ist das nicht, bei uns gehen die Dinger öfter mal verlustig. Normalerweise habe ich schon immer ein Ersatzpaar auf Halde liegen, aber auch soweit bin ich noch nicht wieder nach den letzten Austäuschen. Also haben wir für 10 Euro ein Markenmodell in Isafjördur nachgekauft. Hätte gedacht, dass das teurer wird. Und Kind ist wieder glücklich. Aus erzieherischen Gründen hätte ich ihn eigentlich am liebsten schmoren gelassen, aber da in drei Wochen der Gold-Kurs anfängt, geht das wohl diesmal nicht. Und hier geht er ja immer noch zumindest in den warmen Whirlpool auf dem Pooldeck.
  • Juuhuuu, Island bei Sonnenschein. Wir sind doch Glückskinder. Apropos Glückkinder, gestern Abend hat Mio dann auch noch einen Gutschein für Getränke gewonnen. Kann so weitergehen, bitte 🍀

da erhält der Ausdruck Seelenfänger doch noch mal einen ganz anderen Sinn

Cappuccino mit Aussichtda waren wir zur Hälfte oben (gemessen zum ersten Plateau)